{"id":76,"date":"2011-04-23T13:30:18","date_gmt":"2011-04-23T12:30:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.petterssonblog.de\/?p=76"},"modified":"2011-05-05T11:32:14","modified_gmt":"2011-05-05T10:32:14","slug":"kontrastreiche-passionsmusik-via-crucis-in-berlin-mit-werken-von-pettersson-und-liszt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.petterssonblog.de\/?p=76","title":{"rendered":"Kontrastreiche Passionsmusik mit Pettersson und Liszt"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Vox Humana&#8220; und &#8222;Via Crucis&#8220; im Konzert der Sing-Akademie zu Berlin<\/p>\n<p><em>(Abstract below)<\/em><\/p>\n<p>Au\u00dfergew\u00f6hnlich bewegend geriet das <a href=\"http:\/\/www.sing-akademie.de\/132-0-Christus_Vox.html\">Passionskonzert am Karfreitag<\/a> in der vollbesetzten Gethsemane-Kirche in Berlin-Prenzlauer Berg durch die Auswahl der musikalischen Werke &#8211; keine der gro\u00dfen bekannten Passionsmusiken erklang, die Sing-Akademie zu Berlin unter Leitung von Kai-Uwe Jirka widmete sich stattdessen zwei Jubilaren des Jahres 2011: Franz Liszt und Allan Pettersson. W\u00e4hrend man dem durch seine Klavierkompositionen im Konzertleben verankerten Liszt Raum f\u00fcr seine kaum bekannte sp\u00e4te, geistliche Vokalmusik gab, ist der Schwede Allan Pettersson (1911-1980) in unserer Konzertlandschaft v\u00f6llig unterrepr\u00e4sentiert &#8211; und das bei einem gewaltigen sinfonischen Werk, das er der Nachwelt hinterlie\u00df &#8211; die letzte deutsche Komplett-Auff\u00fchrung der &#8222;Vox Humana&#8220;-Kantate datiert aus dem Jahr 1995 und es gibt <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Vox-Humana-Srso\/dp\/B000027FB2\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1303561157&amp;sr=8-1\">eine einzige Plattenaufnahme<\/a>, die kurz nach der Urauff\u00fchrung entstand.<\/p>\n<p>Die genaue Kenntnis des OEuvres dieser beiden Komponisten lie\u00df wohl die Idee aufkommen, Liszt und Pettersson zu kombinieren. Jirka formte das Konzert als Kreuzweg in 14 Stationen und lie\u00df sogar die einzelnen Werkteile beider Komponisten aufeinander prallen. Das Konzept ging vor allem deswegen auf, weil die verinnerlichte, manchmal kryptische Sichtweise von Liszt auf eine hochemotionale, offen die nackte, oft erbarmungslose Welt zeichnende Musik von Pettersson traf. Zudem konnte sich Jirka so im Liszt-Werk vor L\u00e4ngen bewahren, bei Pettersson hatte die Entscheidung zur Einbettung in ein Passionskonzert weitaus heftigere Folgen: Oft wurde dessen kompositorisches Werk als seine eigene Passion bezeichnet und das Bild vom leidenden K\u00fcnstler bem\u00fcht. Jirka und auch der gute Programmhefttext gingen dieser unzureichenden Darstellung nicht nach, stattdessen wurden die Vertonungen der Kantate &#8222;Vox Humana&#8220;, die Pettersson 1974 nach seiner ebenfalls chorsinfonischen 12. Sinfonie schrieb, in den christlichen Passions-Kontext integriert.<\/p>\n<p>Die Texte lateinamerikanischer Dichter und aus Inka-Ges\u00e4ngen erhielten so eine tiefere Bedeutung, wirkten fast wie ein zeitgen\u00f6ssischer Spiegel der Christus-Geschichte. Pettersson selbst hatte \u00fcbrigens vorgesehen, dass die insgesamt 18 Teile der Kantate auch nichtzyklisch aufgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen &#8211; umrahmt von Liszt wirkten sie als geschlossene Bildwelten &#8211; Leif Aare beschrieb sie schon 1976 als &#8222;vokalmusikalisches Fresco&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.petterssonblog.de\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Vox-Humana2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-85\" title=\"Vox Humana2\" src=\"https:\/\/www.petterssonblog.de\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Vox-Humana2-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.petterssonblog.de\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Vox-Humana2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.petterssonblog.de\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Vox-Humana2-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Gro\u00dfer Beifall nach dem Konzert<\/p>\n<p>Der Sing-Akademie zu Berlin, vereint mit dem Staats- und Domchor kam die umfangreiche Aufgabe zu, die musikalischen Welten ad\u00e4quat darzustellen und das gelang vortrefflich, mit wacher Konzentration und Durchdringung der Partituren. Rhythmischen Ausdruck wie in &#8222;Lynch&#8220; oder ungewohnte harmonische Fortg\u00e4nge wie in &#8222;Der Unbussfertige&#8220; meisterte der Chor m\u00fchelos. Die Symphonische Compagney lieferte im Streichorchester nicht nur Orientierung, sondern bot starke eigene Farben dieser Musik an. Einige Pettersson-St\u00fccke wurden vor der Auff\u00fchrung auf deutsch rezitiert, dies vertiefte das Verst\u00e4ndnis; Altistin Hilke Andersen \u00fcberzeugte in den Solost\u00fccken mit flexiblem Ausdruck.<\/p>\n<p>Im Kontrast zu dieser zeitgen\u00f6ssischen Sicht standen die Liszt-St\u00fccke aus &#8222;Via Crucis&#8220;, dem &#8222;Tristis Anima Mea&#8220; und dem abschlie\u00dfenden &#8222;Stabat Mater&#8220;. W\u00e4hrend die Kreuzweg-St\u00fccke mit Orgelbegleitung fast meditativen Charakter zeigten (mit dem Gerhardt-Choral &#8222;O Haupt voll Blut und Wunden im Mittelpunkt), war die Wahl des &#8222;Stabat Mater&#8220; das einzige Wagnis des Konzertes, denn das fast vierzigmin\u00fctige St\u00fcck am Ende des Konzertes verwischte ein den Kontrastreichtum des bereits Geh\u00f6rten und konnte auch im Zusammenspiel zwischen Harmonium und Solisten &#8211; hier dazu Julia Giebel (Sopran), Ferdinand von Bothmer (Tenor) und Nikolay Borchev (Bariton) &#8211; nicht immer \u00fcberzeugen. Der Chor konnte hier noch einmal ein gro\u00dfes romantisches Klangbild anlegen.<\/p>\n<p>Dieses Passionskonzert war mutig, erzeugte gro\u00dfen Beifall vom Publikum und regte zum Nachdenken an, zudem wurde eine der wenigen Jubil\u00e4ums-Auff\u00fchrungen eines Werkes von Allan Pettersson in Deutschland \u00fcberhaupt realisiert, daf\u00fcr darf man gratulieren.<br \/>\nAlexander Keuk<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Abstract<\/em><\/p>\n<p>The Berlin Sing-Akademie (together with Staats- and Domchor Berlin) performed on Good Friday a concert which combined &#8222;Via Crucis&#8220; by Franz Liszt and nine movements from &#8222;Vox Humana&#8220; by Allan Pettersson &#8211; it was one of the few Pettersson performances in Germany in the centenary year. Conductor Kai-Uwe Jirka confronted both compositions and mixed them within a concept of the way of the cross. A special impact arose from the fourteen stations: on the one side the late Liszt, meditative and introvert, on the other Petterssons sight of the contemporary world facing cruel and sad pictures &#8211; filled with humanity in music. A recitation of the Pettersson-texts was given before the music to deepen the understanding. The performance had a stunning quality &#8211; the choirs acting with permanent concentration and a very good preparation. The choice to perform an extraordinary form of the passion of the Christ seemed courageous &#8211; it was a light on Pettersson not as a suffering creature but as a serious artist who has a deep view on nature and mankind.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Weitere Rezensionen:<\/p>\n<p>* <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/passionen\/4093702.html\">Der Tagesspiegel<\/a><\/p>\n<p>* <a href=\"http:\/\/nightoutatberlin.jaxblog.de\/post\/Der-Mensch-als-Passion-Das-Passionskonzert-Vox-Humana-der-Sing-Akademie-Berlin-in-der-Gethsemanekirche.aspx\">Blog &#8222;Night out @ Berlin&#8220;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/albannikolaiherbst.twoday.net\/stories\/passionskonzert-oder-stimme-der-menschheit-kai-uwe-jirka-dirigierte-fr\/\">* Blog von Alban Nikolai Herbst<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Vox Humana&#8220; und &#8222;Via Crucis&#8220; im Konzert der Sing-Akademie zu Berlin (Abstract below) Au\u00dfergew\u00f6hnlich bewegend geriet das Passionskonzert am Karfreitag in der vollbesetzten Gethsemane-Kirche in Berlin-Prenzlauer Berg durch die Auswahl der musikalischen Werke &#8211; keine der gro\u00dfen bekannten Passionsmusiken erklang, die Sing-Akademie zu Berlin unter Leitung von Kai-Uwe Jirka widmete sich stattdessen zwei Jubilaren des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,35],"tags":[36,38,7,37],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.petterssonblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/76"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.petterssonblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.petterssonblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.petterssonblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.petterssonblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=76"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.petterssonblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/76\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":78,"href":"https:\/\/www.petterssonblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/76\/revisions\/78"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.petterssonblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=76"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.petterssonblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=76"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.petterssonblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=76"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}